Donnerstag, 3. Mai 2018

Von Exen, Kletterwänden, Chalkbags und dem Nähen


Ich habe da so ein neues Hobby: Es geht hoch hinaus, hat mit prinzipiell zu kleinen Schuhen zu tun und ist absoluter Teamsport. Die Rede ist vom Klettern. 

Seit Anfang des Jahres hängt mein sportliches Herz zusätzlich zum Badminton und Laufen an Schmirgelpapier-Wänden mit mal mehr oder weniger großen Griffknäufen und mein Leben regelmäßig in den Händen meines Kletterpartners. Das Schöne ist, es hat bei mir in etwa den gleichen Effekt wie Skifahren. Nur, dass sich Klettern doch etwas einfacher über das ganze Jahr hinweg ausüben lässt: Ich kriege den Kopf frei. Denn in einigen Metern Höhe an der Wand hängend oder unten sichernd ist volle Konzentration angesagt. Da ist kein Platz für Gedanken an Hausarbeiten, Deadlines und das schlechtes Gewissen.


Klettern hat mich schon immer gereizt. Als ich kurz vor dem Abitur mit dem Sportkurs in der Kletterhalle war, hätte ich am liebsten ein Jahresabo abgeschlossen. Ohne feste Gruppe und Mitfahrer ziehen sich die 30km bis zu Halle aber doch ganz schön in die Länge und so blieb es erstmal bei diesem Schnupperkurs. Im letzten Semester wurde dann vom Hochschulsport "Klettern" angeboten. Leider hat es mit der Anmeldung nicht geklappt. Ich schlug mir die Wände also erstmal wieder aus dem Kopf. Sollte es vielleicht einfach nicht sein? Doch. Nur ganz anders! Kurz darauf erfuhr ich nämlich, dass gute Bekannte gerade dem Sport verfallen waren, die Gruppe jedoch "ungerade" ist. Da die Gruppe mit mir glatt in Zweier-Teams aufging, verabredeten wir uns zum gemeinsamen Klettern und kurz darauf gehörte ich zu den "eXen". Da ich das zeichnerische Talent in der Gruppe mit meinen technischen Möglichkeiten ergänzen konnte, sind wir in der Halle inzwischen sogar an unseren orangen Jacken als Gruppe erkennbar.


Nun braucht es für das Klettern ja doch ein bisschen Equipment. Ich habe ganz kurz darüber nachgedacht, ob sich so ein Klettergurt wohl selber nähen ließe und auch großes Vertrauen in meine Fähigkeiten an der Nähmaschine, aber das habe ich dann doch gelassen. Ich mag mein Leben. Was sich aber definitiv selber machen lässt sind "Chalkbags" bzw. Magnesiabeutel. Mit dem sich darin befindlichen Magnesium an den Händen sind diese nicht mehr so schwitzig und man kann sich besser halten. Unser Hahn im Korb hatte mit seiner Chalkbag in der Hand zwar gemeint, dass ich für den Preis der Dinger nicht nähen könne, das hieß aber nicht, dass ich nicht wollte... 


 Ein bisschen durchs Netz gestöbert fiel mir auf, dass dieses Utensil nicht nur rein praktisch gesehen wird, sondern auch als individualisierendes Accessoire am Klettergurt genutzt wird. Da gab es Monster, Fuchsschwänze, Kraken, Schafe, Spinnen, Geister, Fledermäuse,... alles Mögliche, aber kein Äffchen - das erste Tier, dass ich mit dem Klettern assoziiere. Ich wollte ein Äffchen! Mit einem englischen Schnittmuster für eine Chalkbag verschwand ich im Nähzimmer. Ich verpasste dem Schnittmuster Ohren und applizierte Augen und Mund, sodass die Vorderseite des Beutels zum Gesicht wurde. Statt den in der Anleitung genutzten Kabelbindern nähte ich das von meinem Abikleid übrig gebliebene Stäbchenband in die mit Gurtband eingefasste Öffnung. So wird diese stets offen gehalten. 

Mein Chalkbag sorgte für große Bewunderung in der Gruppe und der Kletterhalle. Alle waren begeistert und wollten natürlich auch so eine besondere Chalkbag. Da ich das Chalkbag nähen zwischenzeitlich genauso toll fand wie das Klettern selber, nähte ich den übrigen meiner Gruppe auch noch welche. Die Eselfreundin bekam einen Esel und unser Comicfan eine Fledermaus:



Da mein Englisch nicht das Beste ist und sich mein Textverständnis von meiner Interpretation der Bildern in der Anleitung unterschied, verhindert bei meinem Äffchen eine Krempe, dass sich das Magnesium nicht in meiner gesamten Sporttasche verteilt. Bei den folgenden Chalkbags, die ich für meine Klettergruppe genäht habe, platzte dann der Knoten im Kopf wie die Schnürung geführt werden muss, damit sich das Futter im Beutel so zusammenzieht, dass es den Chalkball einschließt. Wen das interessiert, der führe sich mehrmals und mit kühlem Kopf die Skizze in Step 8 vor Augen. Ich habe es auch nicht direkt geblickt, besser erklären kann ich es aber leider auch nicht. Probiert es einfach mal mit Außen- und Innenbeutel aus, bevor ihr sie durch die Oberkante verbindet.

 Ich muss nicht erwähnen, dass unser Hahn im Korb mit seinem gekauften 0815-Chalkbag einer Outdoormarke ziemlich neidvoll schaute... Ja, rechnen tut sich das Selbernähen in so einem Fall nicht, ist aber schon cooler oder?! Ich habe ihn dann etwas schmachten lassen und dann versprochen, ihm auch noch eine individuelle zu nähen. Das werden also nicht meine letzten Chalkbags gewesen sein. 

Liebe Grüße, Nadine

Kurz gesagt:
  • Die Chalkbags basieren auf dem Schnittmuster von WeighMyRack
  • Ohren, Gesichter und sonstige Details wurden ergänzt
  • Für einen stabilen, offenen Eingriff sorgt eingenähtes Stäbchenband
  • Das Gruppenlogo auf der Jacke wurde mit dem Plotter in Flexfolie geschnitten und aufgebügelt

Kommentare:

  1. Wow, das ist ja eine coole Idee! Und so super umgesetzt! Alles Liebe Kiki

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  2. Hej Nadine,
    von klettern hab ich ja null planung, ginge mit meiner schulter auch nicht mehr :0) aber eins ist sicher: die chalkbags sind der Hammer! ich bin schockverliebt sozusagen, der affe und esel sind wirklich cool, aber die fledermaus trifft es da voll :0)pffft, gekaufte chalkbags! deine genähten sind ultracool und niemand hat die sonst! ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)

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  3. Super. Ich klettere seit ca. 6 Jahren und es einfach das Beste. Deine Chalkbags sind der Hit. Ich möchte auch meine nächste Kletterhose selbst nähen, habe aber noch nicht den richtigen Stoff gefunden.
    Viel Spaß noch weiterhin.
    Liebe Grüße
    anna

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    1. Hallo Anna, vielen Dank! Eine Kletterhose will ich mir auch noch nähen. Da muss mir aber noch der richtige Stoff über den Weg laufen.
      Liebe Grüße, Nadine

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  4. Liebe Nadine,
    Ich finde die Chalk Bags super klasse! Ich bouldere hauptsächlich, aber trotzdem brauche ich ja ein Beutelchen ;-) ich wünsche dir weiterhin viel Spaß an der Kletterwand :-)
    Liebe Grüße
    Bine

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Liebe Grüße, Fusselline