Donnerstag, 17. August 2017

Frischer Wind für die Wohnecke


Wenn der Sommer wieder eine kleine Pause einlegt ist mir direkt nach kuscheligen Sofa-Tagen. Auch wenn es bei uns eigentlich immer recht muckelig ist, richtig gemütlich ist es erst in einer Decke eingekuschelt und mit ordentlich Kissen drum herum. Seit ich studiere sind diese Schlunztage, wie wir sie nennen, viel zu selten geworden, denn richtig abschalten kann ich eigentlich erst, wenn mir nichts mehr im Rücken hängt.

Trotzdem waren die Happy-Kissen, die ich zu unserem Einzug genäht hatte, vom vielen Waschen auf und mir nach etwas neuem. 


Als ich Anfang März mal wieder zu Besuch bei Uschi am Niederrhein war, haben wir einen Abstecher über die Grenze zu Karteris in Nimwegen gemacht. In der Stoffhalle gab es zu dieser Zeit eine große Aktionsfläche mit Dekostoffen. Dort fiel mir der eisblaue Stoff mit dem geometrischen Muster passend zu unserer Wand im Wohnbereich direkt ins Auge. Als es dann noch farblich passenden Waffelpique und Microplüsch gab, stand der Plan: Unsere Wohnecke kriegt ein Makeover.


Als damals die ersten Fluffy Stars-Plüschstoffe von Swafing und Farbenmix raus kamen, bekam mein alter Herr daraus eine Kuscheldecke, dessen Kanten ich lediglich noch mit einem Binding (Die Stoffeinfassung) und mein Triangel-Quilt aus den Happy-Stoffen bekam eine Rückseite aus Microplüsch. Auch wenn meine Sternenhäkeldecke natürlich ein optisches Highlight auf der Couch ist, wir lieben die Microplüsch-Decken, da sie so leicht sind und wenn die Happy-Decke mit den Kissen in mein Zimmer umziehen sollte, musste auch eine neue Kuscheldecke aus Microplüsch her.

2m Plüsch zu kaufen und mal volle Breite als Kuscheldecke zu wählen ist natürlich unspektakulär. Es sei denn, man kommt auf die fantastische Idee, das Binding diesmal per Hand anzunähen, wie es z. B. Andrea von der Quiltmanufaktur erklärt. Drei Abende brauchte ich für 7m Matratzenstiche, aber das Ergebnis macht aus dem einfachen Stück Microplüsch doch etwas besonderes und hat sich, wie ich finde, echt gelohnt.  


Unserer Leni ist natürlich völlig egal, was für Kissen und Decken auf der Couch liegen. Hauptsache ihre Menschen sind da und haben bestenfalls keine Kamera in der Hand, sondern die Hände fürs kraulen frei. 

Liebe Grüße, Nadine

Kurz gesagt:
  • Dekostoffe, Waffelpique und Microplüsch von Karteris in Nimwegen (NL)
  • Das Binding der Decke habe ich nach der Anleitung von der Quiltmanufaktur gearbeitet und per Hand angenäht
  • Wir lieben die Decken aus Microplüsch, weil sie so leicht und anschmiegsam sind

Donnerstag, 10. August 2017

Einen richtigen Rucksack nähen - Das geht!


Bisher war ich der Ansicht, man könne ja alles nähen, aber bei Rucksäcken hörte mein Idealismus auf und Tragekomfort ging für mich vor. Ich wusste, ich würde einen selbstgenähten Rucksack nicht tragen, wenn er an mir hängen würde wie ein nasser Sack. Zur Uni begleitete mich daher auch keine selbstgenähte Tasche.

Als wir dann im Vorfeld unseres Nähhühnertreffens überlegten, was wir denn nähen könnten ohne den gesamten Maschinenpark zu brauchen, kam das Thema Rucksäcke auf. 
Keine Turnbeutel, richtige Rucksäcke wollten die Mädels nähen...



Wenn schon, denn schon!


Ich hatte sehr genaue Vorstellungen von meinem Rucksack. Ein Rucksack braucht, wenn er kein Turnbeutel ist, ein richtiges Rückenpolster und gepolsterte Träger. Der Stoff sollte robust sein und das ganze nur noch mit Details aus ReLeda von Snaply abgesetzt werden. Bei Snaply gab es dann auch den perfekten Verschluss für meinen Rucksack. Fein gewebten Canvas Stoff und wasserabweisenden Futterstoff fand ich in unserem Stoffladen.

Da wir uns nicht so ganz auf einen Schnitt festlegen konnten, entschieden wir uns die Schnitte kurzerhand nach unseren eigenen Vorstellungen selbst zu erstellen. Nur zum aufrollen sollte er sein, da waren wir uns einig. 


Der Verschluss


Mein Rucksack sollte einen flexiblen Verschluss aus ReLeda bekommen. ReLeda ist Recyceltes Leder aus Lederresten & Kautschuk. Dieses Material wird als fest und formstabil beschrieben und das ist es auch wirklich. Den Verschluss aus ReLeda mit einem Schieber zu regulieren erwies sich daher als keine gute Idee. Ich musste mir also etwas anderes überlegen. Wenn der Schieber nicht regulierbar ist, muss die Aufhängung regulierbar werden. Ich habe dann einen Streifen ReLeda wellenförmig aufgenäht und mir dabei fast die Finger gebrochen. Darin wird mein Verschluss nun eingehangen.



Wie habe ich den Rücken gepolstert? 


Mein Rucksack besteht aus einem Boden, einem umlaufenden Vorderteil und einem Rückenteil, aus jeweils Außen- und Futterstoff. Ich habe beide Lagen miteinander verbunden und dann als einen Stoff verarbeitet. Die Nähte liegen also im inneren des Rucksackes offen und wurden lediglich mit Schrägband eingefasst. Dadurch ergab sich beim Rückenteil vom oberen Rand des Rucksacks gesehen eine Tasche zwischen Außen- und Futterstoff. In diese Tasche habe ich im letzten Schritt, vor dem Versäubern der oberen Kante, zwei zurechtgeschnittene Lagen Isomatte gesteckt und die "Tasche" oberhalb des Trägerteils mit einer Naht verschlossen. 



Irgendwas ist ja immer 


Wie auf dem Bild oben zu sehen ist, laufen meine Träger von unten in einen horizontal aufgesetzten Streifen ReLeda. Besser wäre es, die Träger von oben in den aufgesetzten Streifen laufen zu lassen. Dann liegt die gesamte Trägerkonstruktion besser am Rücken. Da mir dies aber erst beim ersten Tragen auffiel und man bei ReLeder nur eine Chance hat (Loch ist Loch), habe ich es bei mir nicht mehr geändert.


Fazit


Das Nähen des Rucksacks und besonders der aufgesetzten Fronttasche hat mich echt Neven gekostet, aber alle Mühen haben sich gelohnt. Ich bin so stolz auf dieses Projekt und meinen Nähhühnern so dankbar fürs anfixen! 

Für die Fotos habe ich den Rucksack mit all dem gefüllt, dass ich sonst auch mit zur Uni schleppe: Ein dicker großer Order, ein Collegeblock, Stiftemäppchen, Trinkflasche und Brotdose. Wie ihr seht, trägt er das ganz wunderbar. Ich hätte echt nicht gedacht, dass es mir gelingen würde einen Rucksack nähen zu können, der meinem Dakine Konkurrenz machen würde. Er ist nun jedenfalls heißer Anwärter im Oktober mit mir ins 5. Semester zu starten und zeigt mal wieder, dass nichts unmöglich ist.

Liebe Grüße, Nadine



Kurz gefasst:
  • Den Schnitt vom Rucksack habe ich selbst erstellt
  • Der Rucksack-Rücken ist mit Zuschnitten einer Isomatte gepolstert
  • Die Stoffe (Fein gewebter Canvas und Futterstoff) habe ich vor Ort gekauft
  • ReLeda und Verschluss wurden mir freundlicherweise von Snaply zur Verfügung gestellt

Montag, 7. August 2017

Nähhühnertreffen 2.0

Wenn Nähmaschinen in Koffern verpackt werden und der restliche Koffer mit den nötigsten Kleidungsstücken ausgestopft wird (damit die Maschine weich liegt, versteht sich), dann steht ein Nähtreffen an! In diesem Fall ein ganz besonderes - unser Nähhühnertreffen.


Es war ziemlich genau ein Jahr her, dass ich Maira, Laura und Elli von unserem Bahnhof abholte und mit ihnen ein tolles Wochenende verlebte. Als wir uns nach drei tollen Tagen voller Fachsimpeleien, Instacontent und Nähmaschinenrattern voneinander verabschieden mussten, hatten wir uns längst eine Wiederholung geschworen und nun war es soweit:

Elli hatte uns zu sich in ihre wunderschöne Heimat Speyer eingeladen. 


Für mich bedeutete das eine Reise quer durch Deutschland und dank Sommer-Ticket die erste große Fahrt mit dem ICE. Da Maira an diesem Freitag noch Schule und ich Uni hatte, war es schon recht spät, als wir Abends bei Elli eintrudelten. Laura hatte in Heidelberg auch noch ihren Anschlusszug verpasst. Als wir dann endlich bei selbst belegter Pizza (das scheint ein Ritual am ersten Abend zu werden ;-)) zusammen saßen musste ich abermals in mich hineingrinsen. Unser gesamtes Tischgespräch drehte sich schlagartig wieder um Schnittmuster, Stoffläden, Nähprojekte, wirklich nützliches Nähzubehör und den neuesten Tratsch von Instagram. Es war so vertraut als wäre unserer erstes Treffen gerade gestern gewesen. 


Obwohl wir alle eigentlich hundemüde von der Anreise waren hatten wir an diesem Abend noch etwas vor. Wir hatten uns in diesem Jahr darauf geeinigt gemeinschaftlich Rucksäcke zu nähen. Dies hatte gegenüber einem Kleidungsstück wie im letzten Jahr den großen Vorteil, dass wir nur die normale Nähmaschine und nicht noch Overlock- und Covermaschine brauchten. Snaply Nähkram hatte uns dafür einiges an Material zur Verfügung gestellt, dass Maira verteilen durfte. DANKE dafür und dazu später mehr! Es folgte also erstmal eine kleine Bescherung. Dann ging es aber wirklich los. Denn den für uns alle perfekten Rucksack-Schnitt hatten wir im Vorfeld nicht finden können und so hatten wir beschlossen, uns diesen kurzerhand vor Ort selbst zu erstellen. So verwandelten wir Ellis Zuhause schnell in ein Schlachtfeld aus Schnittmusterpapier und Zeichenmaterial...

Nach einem Frühstück mit leckeren Pancakes gab es natürlich einen wichtigen Punkt auf der Tagesordnung abzuhaken: Ein Stoffladenbesuch. Hier hatten wir nochmal die Möglichkeit fehlendes Zubehör für unsere Rucksäcke zu besorgen. 



Einer spontanen Eingebung folgend ("Moment mal, ist nicht auch das Kitchdeluxe-Lädchen in Speyer?!") fuhren wir anschließend noch in die Nordstadt, wo sich etwas versteckt das Kitchdeluxe-Lädchen befindet. Hier gibt es alles was das Herz begehrt und neben einer feinen Auswahl an Stoffen und Nähzubehör noch Geschirr der Firma Rice. Alles ganz liebevoll kitschig und mit einem Hang zum Firlefanz eingerichtet.



Nach einer Kaffeepause in einer hiesigen Bäckerei (die Nacht war kurz...) ging es zurück bei Elli direkt an unser Rucksack-Projekt. 

Gefühlte Kilometer Vlieseline wurde aufgebügelt bevor die ersten Maschinen losratterten. Als Laura und Maira am späten Abend beinahe ihre fertigen Rucksäcke vorzeigen konnten, fluchte ich noch über die aufgesetzte Tasche meines Vorderteils (Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?) und war noch weit davon entfernt, meine Stoffstücke auf dem Rücken tragen zu können. Elli konnte sich nicht so recht aufraffen bei tickender Nähzeit die vielen Einzelteile eines Rucksacks zuzuschneiden und entschied sich dann dazu ein paar Babysachen vorzubereiten und unser Nähtreffen fotografisch festzuhalten. 


Als um 23:30 Uhr auch meine Nähmaschine verstummen musste, haben wir natürlich längst noch nicht geschlafen. Matratzenlager ist so ziemlich die schönste Art woanders zu übernachten. Bis tief in die Nacht wurden noch tiefsinnige Fachgespräche geführt.

Mit einem ausgiebigen Frühstück im Magen hatten wir am Sonntag alle noch etwas zu tun. Ich wollte meinen Rucksack noch irgendwie fertig bekommen und die anderen Mädels hatten sich noch Outfits mitgebracht, die Elli fotografieren sollte. Wenn schon mal kameraerprobte Blogger beieinander sind... So konnte ich ganz in ruhe Fluchen und das sperrige Etwas unter der Maschine hindurch zerren.


Anschließend begann das große Packen... Abreisestimmung machte sich breit. Doch davon wollten wir uns die letzten Stunden nicht vermiesen lassen. Wir schnappten uns nochmal die Räder und fuhren ein letztes mal in die Stadt, die von Elli aus nur einen beneidenswerten Katzensprung entfernt ist. Ich habe mich wirklich selten so in eine mir zuvor fremde Stadt verliebt. Speyer ist wirklich absolut sehenswert und wäre unser Zeitplan nicht so immens straff gewesen, hätte ich hier gerne noch in die ein oder andere Gasse geschaut. 

Bei Kaffee, Eisshake und Kuchen im Café Aran ließen wir das Wochenende nochmal Revue passieren. Waren das tatsächlich schon drei Tage? Diesmal war die Zeit wirklich wie im Flug vergangen.



Dann hieß es wirklich Abschied nehmen, zumindest von unserer tollen Gastgeberin. Laura, Maira und ich mussten uns erst in Mannheim trennen. Es war wieder eine so wunderbare Zeit unter Gleichgesinnten, meinen Nähhühnern!


Wir sehen uns wieder. Spätestens in einem Jahr! Wo wir uns dann treffen? Da lasst euch überraschen ;-)

Liebe Grüße, Nadine