Donnerstag, 21. September 2017

Blusen-Nähliebe

Noch zwei einhalb Wochen, dann ist es wieder vorbei mit dem Lotta-Leben und dem sanften Start in den Tag. Ich habe diese vorlesungsfreie Zeit genossen wie noch nie und werde sie auskosten bis zur letzten Sekunde. Den Anfang machte eine große Aufräum-Aktion im Nähzimmer. 4 Tage hatte ich mich dort nahezu verbarrikadiert. Wo endlich wieder alles an seinem Platz ist und mein Zuschneidetisch dank riesiger Platte nun auch wirklich einer ist (Nie mehr Bodenarbeiterin!), bekam ich direkt wieder Lust mich dort auszutoben. 

Neben vielen kleinen Projekten konnte ich endlich auch ein großes Projekt von meiner Nähliste streichen: Eine Karo-Bluse wie die von Danie, in die ich mich unsterblich verliebt hatte!



Anfang Mai habe ich hier voller stolz meine erste, selbstgenähte, richtige Bluse gezeigt. Ja, so ein Projekt ist schon etwas anderes als der x-te Pulli den ich mir sonst mal Abends nähe, wenn ich verdrängt habe, rechtzeitig die Waschmaschine anzustellen...

Das fängt schon beim Zuschnitt an. Vorwaschen ist das oberste Gebot bei so einem Projekt! Ich wasche längst nicht alle Stoffe vor, aber tagelanges nähen, ein perfektes Ergebnis in den Händen halten und nach der ersten Wäsche nicht mehr tragen können ist so richtig blöd. Aus Fehlern lernt man.


Als Schnitt habe ich wieder die "Nameless Bluse" von Sewera verwendet. Der große Vorteil gegenüber der viel erwähnten Cheyenne Tunika ist der unkomplizierte Zuschnitt und die logisch aufgebaute Anleitung. Auch bei der Namelessbluse muss man den ein oder anderen Schritt vor der Ausführung langsam durchdenken, aber ich muss nicht ständig darüber nachdenken, wo ich mit welcher Nahtzugabe zuschneiden und nähen muss. Das schreckte mich nämlich von der Cheyenne Tunika ab, auch wenn die dank "Wiener nähten" von innen noch einen Tacken hübscher ist, als meine, die nur mit der Overlock versäubert und abgesteppt ist. 

Die Passform der Nameless Bluse ist toll, lediglich die Ärmellänge sollte unbedingt überprüft und ggf. angepasst werden. Mir wären ein ganzes Stück zu kurz gewesen. Für mich habe ich Größe 32/34 genäht. 

Das Nähen ging schon wesentlich schneller als bei meiner ersten Bluse. Ganz ohne Nahttrenner kam ich aber auch diesmal nicht aus. Man muss schon ganz genau und Schritt für Schritt nach der Anleitung nähen, trotzdem finde ich, dass sich jeder der gerade Nähte nähen kann in der Lage ist, so ein Projekt umzusetzen. Es erfordert Ausdauer und Präzision, aber es ist kein Hexenwerk. 


Mir hat das Entstehenlassen der Bluse jedenfalls wieder richtig Spaß gemacht und ich freue mich wahnsinnig über das tolle Ergebnis. Mit der kleinen Stick-Applikation ist sie obendrein noch Oktoberfest tauglich. Fürs Nähen eines Dirndls bin ich nämlich auch in diesem Jahr zu spät dran... aber irgendwann, irgendwann nähe ich mir auch ein richtiges Dirndl!

Liebe Grüße, Nadine


Kurz gesagt:
  • Die Bluse ist genäht nach Schnitt und Ebook "Nameless Bluse" von Sewera
  • Die Stick-Applikation ist aus der "Alpenschick"-Stickserie von tinimi
  • Stoffe und Zubehör habe ich allesamt vor Ort gekauft
  • Baumwollstoffe vor dem Vernähen zu Hemd und Bluse UNBEDINGT vorwaschen!
  • (Verlinkt bei RUMS)

Donnerstag, 14. September 2017

Ein Familien-Taufkleid


Am Sonntag wurde die kleine Feldmaus getauft. In dem wunderschönen Leinen-Taufkleid, in dem auch schon ihre große Schwester vor knapp 2,5 Jahren getauft wurde und das ich der Familie damals genäht habe. 

Eigentlich gibt es in unserer Gemeinde ein Taufkleid, dass für die Taufen genutzt wird. So braucht nicht jede Familie ein Taufkleid anschaffen, welches im Gottesdienst doch nur kurz aufgelegt wird. Natürlich sinnvoll, aber ich wollte doch unbedingt ein Taufkleid nähen... 


Als ich noch zur Schule ging besuchten wir das Kloster Dahlheim in dessen Museum ein wertvolles Leinen-Taufkleid hing. Dieses war übersät mit den eingestickten Namen und Daten der Täuflinge, die dieses Kleid getragen haben. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, warum wir eigentlich dort waren, aber dieses Kleid habe ich immer noch vor Augen.

Die Taufe der großen Feldmaus rückte damals näher und ich fragte nochmals, ob ich wirklich kein Taufkleid nähen soll und da fand auch unsere Graurosamama, dass es vielleicht doch ganz schön wäre ein Kleid in der Familie zu haben - Na also!
Zum Glück waren wir uns ziemlich einig, wie das Kleid werden sollte. 
In der Ottobre 1/2014 fanden wir einen Schnitt der uns beiden zusagte. Ein klassisches Leinenkleid mit Biesen und Bubi-Kragen sollte es werden. 



Dass Ottobre-isch oft schwer zu verstehen ist wusste ich ja, aber beim Nähen der Biesen war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich jetzt an mir oder an den schwedischen Schnitterstellern zweifeln sollte...
Letztlich habe ich zig mal am Schnitt nachgemessen, dann nur noch das Prinzip übernommen und unserem Kleid die Biesen verpasst. Als Eyecatcher bekam das Kleid einen Lochsaum, durch den Schleifenband gezogen werden kann. 

Da die Kleider bei uns auch nur übergelegt werden, kann unser Kleid hinten über die gesamte Länge geknöpft werden. So wurde es in den Gottesdiensten zumindest halb angezogen und dann für die anschließenden Familienfotos mit Täufling einfach geschlossen. 


Ich finde es total schön wenn ich unseren Nachbarsfamilien solche Dinge nähen, und sie auch fotografisch immer wieder begleiten darf. Irgendwann werden sich die große und die kleine Feldmaus Fotos ihrer Kindheit anschauen, die ich eingefangen habe und sich in Kleidungsstücken sehen, die ich für sie angefertigt habe. Wenn sie dann einmal selbst Kinder haben, werden sie diese vielleicht sogar in dem Kleid taufen lassen, dass ich zu ihrer Taufe genäht habe. So haben wir uns das jedenfalls überlegt, die Graurosamama und ich. 

Jedes Kind, das mit diesem Kleid getauft wurde soll, wie das Kleid im Museum, mit einer Stickerei im Kleid verewigt werden und dies damit zu einem richtigen Familienschatz werden. Mit der Taufe der kleinen Feldmaus finden sich nun schon zwei Stickereien auf dem Kleid und ich hoffe, es kommen noch einige hinzu.

Liebe Grüße, Nadine


Kurz gesagt:



  • Der Schnitt zum Taufkleid ist aus der Ottobre 1/2014.
  • Das Zuschneiden und Nähen der Biesen war typisch ottobre-isch schlecht erklärt.

Donnerstag, 7. September 2017

Häkel-Esel Kasimir


Ich habe es ja gesagt, einmal dem Häkeltier-Wahn verfallen, kann man nicht mehr aufhören kleine Wesen zu erschaffen und so erblickte auch Kasimir das Licht der Welt. 

Kasimir ist nach der kostenlosen Anleitung von Hobby uncinetto gehäkelt, die Vanni Vanilla ins deutsche übersetzt hat. Der kleine Esel war schon etwas aufwändiger, als das Amigurumi-Einhorn von neulich, aber auch in wenigen Stunden gehäkelt. Das schöne an diesen Tieren ist, dass sie fast ausschließlich mit festen Maschen gehäkelt werden und sich so nahezu blind häkeln lassen. 



Kasimir ist fast 20cm groß und war mein Travelbuddy bei meinem Trip nach München.
Davon werde ich noch berichten.

Liebe Grüße, Nadine


Kurz gesagt:

Montag, 4. September 2017

Symbolhaftes Taufgeschenk


Ich habe wohl jetzt das Alter erreicht, wo der überwiegende Freundeskreis aus Pärchen besteht. Nicht nur, dass nun Standart ist "+1"-Einladungen auszusprechen, einige Partner gehören inzwischen so sehr dazu, dass sie einfach in den Freundeskreis integriert wurden.

So ist das auch bei Marina und Tim, die ich unglaublich gerne habe. Deshalb habe ich beim "Ich nähe nur noch für uns" auch mal eine Ausnahme gemacht. Nicht zuletzt, weil die beiden immer die schönsten Geschenk-Ideen ausarbeiten... 



Tim ist gestern Patenonkel vom kleinen Jonas geworden und die beiden hatten ihre kreativen Hirnzellen mal wieder ordentlich in Gang gesetzt. Sie hatten sich überlegt, dass Jonas von seinem Patenonkel einen Gutschein für den ersten Schulranzen bekommen soll, symbolisiert durch einen Rucksack fürs Turnen oder Wechselzeug und der darin enthaltenen Erstausstattung fürs Frühstück außer Haus (Trinkflasche und Brotdose).

Den Turnbeutel Rucksack für dieses tolle symbolische Geschenk durfte ich dann nähen, im Wunsch der beiden mit einer Applikation von Jonas Lieblings-Pinguin drauf. 


Den Pinguin hätte ich eigentlich aus Flex-Folie plotten und aufbügeln wollen, jedoch fiel mir zu spät auf, dass ich dann nicht nur schwarze und weiße Folie bräuchte, sondern eben auch gelbe für Schnabel und Füße... Daher holte ich abermals und ganz klassisch das Vliesofix hervor und applizierte den ausgesuchten Pinguin kurzerhand. So wirkt er fast plastisch und ich glaube noch viel besser als das mit Flex-Folie der Fall gewesen wäre.

Das Geschenk war natürlich ein Knaller. Marina berichtete mir noch am Abend wie süß Jonas doch ausgesehen habe, als er mit seinen tapsigen ersten Schritten an den Händen aber mit Rucksack auf dem Rücken herum lief. Da habe ich mich gleich nochmal mit gefreut.

Liebe Grüße, Nadine


Kurz gesagt:
  • Der Turnbeutel ist 26x34cm groß und ich habe keinen Schnitt dafür.
  • Der Pinguin ist nicht geplottet, sondern klassisch appliziert.
  • Der Boden des Rucksacks ist aus Kunstleder.
  • Die Stoffe habe ich allesamt aus unserem Stoffladen vor Ort.

Montag, 28. August 2017

Amigurumi-Einhorn


Ich kann wahnsinnig schlecht nichts tun. Ganz ehrlich, ich bewundere sogar die Menschen, die es schaffen sich 90 Minuten voll auf einen TV-Film konzentrieren zu können ohne dabei noch etwas nebenher zu machen. Bei mir ist das oft die Zeit in der ich neue Blogposts schreibe, durch Pinterest stöbere oder eben mal wieder zur Häkelnadel greife.

Eine liebe Freundin von mir hatte vor einiger Zeit die Anleitung für ein gehäkeltes Einhorn entdeckt. Obwohl sie von diesem Einhorn-Trend eigentlich genauso wenig hält wie ich, fand sie dieses unglaublich niedlich und wünschte es sich von mir.


Nun würde ich sagen, dass ich inzwischen und nach zwei Sternenhäkeldecken ganz gut häkeln kann, bei diesem Projekt stellte ich jedoch fest, eher fürs gröbere. Himmel, hab ich mir beim häkeln des Einhorns fast die Finger gebrochen... Nur 9 cm groß ist das fertige Einhorn, gibt damit aber bestimmt einen tollen Glücksbringer für meine Freundin ab und irgendwie hat dieses kleine Wesen auch mein Herz erobert. Im Gegensatz zu so Großprojekten wie den Häkeldecken ist so ein kleines Tier aber auch an einem Abend umsetzbar und so hat man schnell was in der Hand. Es wird wohl nicht mein letztes Amigurumi gewesen sein.

Liebe Grüße, Nadine 


Kurz gesagt:
  • Die Anleitung findet ihr hier.

Donnerstag, 24. August 2017

So einen will ich auch: Julika als Zweiteiler


Wenn Frau Nachbarin ihren Julika-Overall aus dem letzten Post für den Urlaub haben wollte, wo wäre dann ein besserer Ort für Fotos? - Natürlich dort. Am Strand. Vor den Dünen!
"Du kommst uns dann einfach besuchen!", hatte Frau Nachbarin gesagt und ich weiß nicht wie ernst sie das in diesem Moment meinte, aber genau so habe ich es gemacht. 

So fuhr ich letzte Woche los. Ich hatte 5 Tage Zeit, ein vollgetanktes Auto und eine Playlist mit dem Titel "Unterwegs". Aus der Idee meine Nachbarn zu besuchen wurde mein erster Roadtrip. 


Frau Nachbarins Julika-Overall fand ich ja schon toll und irgendwie gefiel mir die Idee, dass wir beide eine Julika am Strand tragen könnten. Ich entschied mich wegen des doch nahenden Ende des Sommers aber gegen einen Overall und damit dafür, Julika als Zweiteiler zu nähen. Zumindest die Shorts würde ich dann noch so zum schlafen weiter tragen können und überhaupt lässt sie sich dann auch mal mit einem anderen Oberteil kombinieren. 

Schon lange lag der blaue Jersey mit dem sanften Birdy-Druck nach dem Design von hamburgerliebe zusammen mit dem dunkelblauen Uni-Jersey in meinem Regal. Für mich war immer klar, die beiden Stoffe zusammen zu vernähen. Warum kann ich gar nicht genau sagen. Vernäht als Julika-Zweiteiler haben sie nun endlich ihre rechte Bestimmung gefunden.



Vor der Jersey-Shorts hatte mich ein wenig gescheut. Nicht weil sie schwierig zu nähen sei, sondern eher weil ich befürchtete, dass sie mir durch die Falten doch zu luftig weit an den Beinen wäre. Aber alles war unbegründet. Sie gefiel mir schon bei der ersten Anprobe sehr. Ich habe sogar schon einige Varianten aus festen Stoffen gesehen. Das werde ich für den nächsten Sommer auch nochmal probieren.

Beim Oberteil habe ich nicht ganz mitgedacht. Da ich ein separates Shirt genäht habe, hätte ich auf den rückwärtigen Schlitz verzichten können. Dieser wird ja eigentlich nur benötigt um von oben in den Overall schlüpfen zu können. Auf die von mir im letzten Post angesprochene Knopfleiste war ich natürlich erst gekommen, nachdem mich auch an meinem Oberteil das aufklaffen des Schlitzes störte.

Was mir wirklich sehr gefällt ist, dass bei nach innen geschlagenem Bund des Oberteils gar nicht auffällt, dass es sich um einen Zweiteiler handelt. Das Oberteil fällt dann genauso locker wie bei Frau Nachbarins Overall. 


Und weil es so eine verrückt schöne Aktion war, darf ein Bild dieses wahnsinnigen Sonnenuntergangs nicht fehlen. Frau Nachbarin und ich saßen mit unseren Juliakas Barfuß im Sand und tranken mangels Bechern Sangria aus Limo-Dosen während die Sonne ganz allmählich ins Meer tauchte...  Wenn ich so daran zurückdenke bekomme ich gleich wieder Fernweh aber das schöne ist, nach der Heimkehr ist vor der nächsten Reise.

Liebe Grüße, Nadine 


Kurz gefasst:

  • Der Schnitt Julika von Prülla bietet die Möglichkeit einen Ein- oder Zweiteiler mit langer oder kurzer Hose zu nähen.
  • Julika ist (auch als Kinderschnitt) bei dawandamakerist, im Shop von Stoffbüro und auf englisch bei nähconnection erhältlich.
  • Wird das Oberteil als solches genäht, kann auf den rückwärtigen Schlitz eigentlich verzichtet werden.
  • Die Stoffe liegen schon lange in meinem Regal, der blaue Birdy-Stoff heißt "Fly Bird fly" und ist aus einer älteren Kollektion von hamburgerliebe und Hilco.
(Post verlinkt bei RUMS)

Montag, 21. August 2017

Frau Nachbarins Herzenswunsch: Julika als Einteiler


Es ist kein großes Geheimnis, dass ich gern für meine Nachbarskinder nähe und inzwischen besitzt auch Frau Nachbarin einige von mir genähte Teile. Oft bekommen Kleidungsstücke die mir nicht mehr so gefallen oder bei denen ich mich in der Passform vergriffen habe, bei ihr eine zweite Chance. 

Manchmal, und dies tritt besonders bei den Schnitten von Danie /Prülla auf, bekomme ich aber auch konkrete Nähwünsche von ihr. So musste ich schon ran als Danie den Jerika-Mantel raus brachte. Kaum zeigte Danie letztes Jahr ihren Schnitt Julika, wurde meine Nähliste wieder länger... 





 Frau Nachbarin hatte sich also verliebt. Es sollte unbedingt ein Einteiler werden. Das sei so bequem, toll für den Garten und vor allem für den geplanten Urlaub. Das ganze habe ja auch noch Zeit und eile überhaupt nicht. Wer mich kennt weiß, wie das endet ;-)

Nun gut, als könne ich ihr diesen Wunsch abschlagen. Mit fast einem Jahr Vorlauf sollte das zu schaffen sein. Ich habe sie also erstmal mit so leidigen Aufgaben wie Schnittmuster zusammenkleben und sich Gedanken um die Stoffwahl machen sollend abgespeist. Dies schien eine schwere Aufgabe zu sein. Zig Stoffe fand sie und zeigte sie mir, aber DER Stoff war nicht dabei. Schließlich fuhren wir im Mai dieses Jahres mal gemeinsam zu unserem Stoffladen um das Projekt mal etwas voran zu treiben. Kaum fünf Minuten vergingen, da hatte sie den beigefarbenen Stoff mit einem Millefleur-Muster entdeckt. Wir fanden dazu noch einen passenden Uni-Stoff und wenig später lag ein Haufen Stoff und damit ein bisschen Arbeit in meinem Nähzimmer...


Irgendwie schien ich geahnt zu haben, dass dieses Projekt nicht mal eben abzuhaken ist. Nähe ich für mich, weiß ich, an welchen Stellen ich die Passform für mich optimieren muss. Nähe ich für andere bedeutet das oft mehrere Anproben und damit Unterbrechungen meines Workflows, wenn ich ihn denn mal gefunden habe. 

Ich habe also über Wochen immer mal wieder an Frau Nachbarins Herzenswunsch genäht, Anproben vereinbart und Änderungen ausgeführt, bis Frau Nachbarin mit ihrer Julika endlich in den geplanten Urlaub fahren konnte. Das der Overall natürlich erst beim Packen des Wohnwagens fertig war, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber ;-) 



Frau Nachbarin hat ein Hohlkreuz. Somit hatte sie nach Schnittmuster genäht viel zu viel Stoff im Rücken und auch am Bauch hing für unseren Geschmack bei ihr zu viel Stoff. Im Rücken habe ich deshalb fast 15cm Stoff weggenommen und nach vorne hin auslaufend auch nochmal einige Zentimeter, bis es uns zusagte. Dass der Schnitt jedoch prinzipiell passt, zeige ich euch beim nächsten mal, denn natürlich blieb es letztlich nicht nur bei dieser Julika. 

Ein bisschen stören tut mich das gebundene Rückenteil. Dies klafft für meinen Geschmack zu sehr auf, ist für das Anziehen als Overall aber unerlässlich. Ich denke hier würde sich eine richtige Knopfleiste besser machen. 


Frau Nachbarin ist trotzdem sehr zufrieden mit ihrem "Schatz" und hatte schon Sorge, dass ich auf den Bildern etliche Flecken retuschieren müsse, weil sie ihn bereits so oft getragen habe. Naja und wenn, dann ist das doch ein gutes Zeichen: Er wird geliebt.

Liebe Grüße, Nadine


Kurz gesagt:
  • Der Overall ist nach dem Schnitt Julika von Prülla genäht. Er ist (auch als Kinderschnitt) bei dawandamakerist, im Shop von Stoffbüro und auf englisch bei nähconnection erhältlich.
  • Um ein Hohlkreuz zu berücksichtigen, habe ich vor allem im Rücken einige Zentimeter Stoff weggenommen.
  • Statt dem gebundenen Verschluss auf dem Rücken würde ich zukünftig eine Knopfleiste arbeiten.
  • Die Stoffe wurden vor Ort gekauft.
  • Aussi `Sookie´fand das Shooting Bombe und nutzte Frau Nachbarins kurze Unaufmerksamkeit um die Bällchen anderer Hunde zu mopsen.

Donnerstag, 17. August 2017

Frischer Wind für die Wohnecke


Wenn der Sommer wieder eine kleine Pause einlegt ist mir direkt nach kuscheligen Sofa-Tagen. Auch wenn es bei uns eigentlich immer recht muckelig ist, richtig gemütlich ist es erst in einer Decke eingekuschelt und mit ordentlich Kissen drum herum. Seit ich studiere sind diese Schlunztage, wie wir sie nennen, viel zu selten geworden, denn richtig abschalten kann ich eigentlich erst, wenn mir nichts mehr im Rücken hängt.

Trotzdem waren die Happy-Kissen, die ich zu unserem Einzug genäht hatte, vom vielen Waschen auf und mir nach etwas neuem. 


Als ich Anfang März mal wieder zu Besuch bei Uschi am Niederrhein war, haben wir einen Abstecher über die Grenze zu Karteris in Nimwegen gemacht. In der Stoffhalle gab es zu dieser Zeit eine große Aktionsfläche mit Dekostoffen. Dort fiel mir der eisblaue Stoff mit dem geometrischen Muster passend zu unserer Wand im Wohnbereich direkt ins Auge. Als es dann noch farblich passenden Waffelpique und Microplüsch gab, stand der Plan: Unsere Wohnecke kriegt ein Makeover.


Als damals die ersten Fluffy Stars-Plüschstoffe von Swafing und Farbenmix raus kamen, bekam mein alter Herr daraus eine Kuscheldecke, dessen Kanten ich lediglich noch mit einem Binding (Die Stoffeinfassung) und mein Triangel-Quilt aus den Happy-Stoffen bekam eine Rückseite aus Microplüsch. Auch wenn meine Sternenhäkeldecke natürlich ein optisches Highlight auf der Couch ist, wir lieben die Microplüsch-Decken, da sie so leicht sind und wenn die Happy-Decke mit den Kissen in mein Zimmer umziehen sollte, musste auch eine neue Kuscheldecke aus Microplüsch her.

2m Plüsch zu kaufen und mal volle Breite als Kuscheldecke zu wählen ist natürlich unspektakulär. Es sei denn, man kommt auf die fantastische Idee, das Binding diesmal per Hand anzunähen, wie es z. B. Andrea von der Quiltmanufaktur erklärt. Drei Abende brauchte ich für 7m Matratzenstiche, aber das Ergebnis macht aus dem einfachen Stück Microplüsch doch etwas besonderes und hat sich, wie ich finde, echt gelohnt.  


Unserer Leni ist natürlich völlig egal, was für Kissen und Decken auf der Couch liegen. Hauptsache ihre Menschen sind da und haben bestenfalls keine Kamera in der Hand, sondern die Hände fürs kraulen frei. 

Liebe Grüße, Nadine

Kurz gesagt:
  • Dekostoffe, Waffelpique und Microplüsch von Karteris in Nimwegen (NL)
  • Das Binding der Decke habe ich nach der Anleitung von der Quiltmanufaktur gearbeitet und per Hand angenäht
  • Wir lieben die Decken aus Microplüsch, weil sie so leicht und anschmiegsam sind

Donnerstag, 10. August 2017

Einen richtigen Rucksack nähen - Das geht!


Bisher war ich der Ansicht, man könne ja alles nähen, aber bei Rucksäcken hörte mein Idealismus auf und Tragekomfort ging für mich vor. Ich wusste, ich würde einen selbstgenähten Rucksack nicht tragen, wenn er an mir hängen würde wie ein nasser Sack. Zur Uni begleitete mich daher auch keine selbstgenähte Tasche.

Als wir dann im Vorfeld unseres Nähhühnertreffens überlegten, was wir denn nähen könnten ohne den gesamten Maschinenpark zu brauchen, kam das Thema Rucksäcke auf. 
Keine Turnbeutel, richtige Rucksäcke wollten die Mädels nähen...



Wenn schon, denn schon!


Ich hatte sehr genaue Vorstellungen von meinem Rucksack. Ein Rucksack braucht, wenn er kein Turnbeutel ist, ein richtiges Rückenpolster und gepolsterte Träger. Der Stoff sollte robust sein und das ganze nur noch mit Details aus ReLeda von Snaply abgesetzt werden. Bei Snaply gab es dann auch den perfekten Verschluss für meinen Rucksack. Fein gewebten Canvas Stoff und wasserabweisenden Futterstoff fand ich in unserem Stoffladen.

Da wir uns nicht so ganz auf einen Schnitt festlegen konnten, entschieden wir uns die Schnitte kurzerhand nach unseren eigenen Vorstellungen selbst zu erstellen. Nur zum aufrollen sollte er sein, da waren wir uns einig. 


Der Verschluss


Mein Rucksack sollte einen flexiblen Verschluss aus ReLeda bekommen. ReLeda ist Recyceltes Leder aus Lederresten & Kautschuk. Dieses Material wird als fest und formstabil beschrieben und das ist es auch wirklich. Den Verschluss aus ReLeda mit einem Schieber zu regulieren erwies sich daher als keine gute Idee. Ich musste mir also etwas anderes überlegen. Wenn der Schieber nicht regulierbar ist, muss die Aufhängung regulierbar werden. Ich habe dann einen Streifen ReLeda wellenförmig aufgenäht und mir dabei fast die Finger gebrochen. Darin wird mein Verschluss nun eingehangen.



Wie habe ich den Rücken gepolstert? 


Mein Rucksack besteht aus einem Boden, einem umlaufenden Vorderteil und einem Rückenteil, aus jeweils Außen- und Futterstoff. Ich habe beide Lagen miteinander verbunden und dann als einen Stoff verarbeitet. Die Nähte liegen also im inneren des Rucksackes offen und wurden lediglich mit Schrägband eingefasst. Dadurch ergab sich beim Rückenteil vom oberen Rand des Rucksacks gesehen eine Tasche zwischen Außen- und Futterstoff. In diese Tasche habe ich im letzten Schritt, vor dem Versäubern der oberen Kante, zwei zurechtgeschnittene Lagen Isomatte gesteckt und die "Tasche" oberhalb des Trägerteils mit einer Naht verschlossen. 



Irgendwas ist ja immer 


Wie auf dem Bild oben zu sehen ist, laufen meine Träger von unten in einen horizontal aufgesetzten Streifen ReLeda. Besser wäre es, die Träger von oben in den aufgesetzten Streifen laufen zu lassen. Dann liegt die gesamte Trägerkonstruktion besser am Rücken. Da mir dies aber erst beim ersten Tragen auffiel und man bei ReLeder nur eine Chance hat (Loch ist Loch), habe ich es bei mir nicht mehr geändert.


Fazit


Das Nähen des Rucksacks und besonders der aufgesetzten Fronttasche hat mich echt Neven gekostet, aber alle Mühen haben sich gelohnt. Ich bin so stolz auf dieses Projekt und meinen Nähhühnern so dankbar fürs anfixen! 

Für die Fotos habe ich den Rucksack mit all dem gefüllt, dass ich sonst auch mit zur Uni schleppe: Ein dicker großer Order, ein Collegeblock, Stiftemäppchen, Trinkflasche und Brotdose. Wie ihr seht, trägt er das ganz wunderbar. Ich hätte echt nicht gedacht, dass es mir gelingen würde einen Rucksack nähen zu können, der meinem Dakine Konkurrenz machen würde. Er ist nun jedenfalls heißer Anwärter im Oktober mit mir ins 5. Semester zu starten und zeigt mal wieder, dass nichts unmöglich ist.

Liebe Grüße, Nadine



Kurz gefasst:
  • Den Schnitt vom Rucksack habe ich selbst erstellt
  • Der Rucksack-Rücken ist mit Zuschnitten einer Isomatte gepolstert
  • Die Stoffe (Fein gewebter Canvas und Futterstoff) habe ich vor Ort gekauft
  • ReLeda und Verschluss wurden mir freundlicherweise von Snaply zur Verfügung gestellt

Montag, 7. August 2017

Nähhühnertreffen 2.0

Wenn Nähmaschinen in Koffern verpackt werden und der restliche Koffer mit den nötigsten Kleidungsstücken ausgestopft wird (damit die Maschine weich liegt, versteht sich), dann steht ein Nähtreffen an! In diesem Fall ein ganz besonderes - unser Nähhühnertreffen.


Es war ziemlich genau ein Jahr her, dass ich Maira, Laura und Elli von unserem Bahnhof abholte und mit ihnen ein tolles Wochenende verlebte. Als wir uns nach drei tollen Tagen voller Fachsimpeleien, Instacontent und Nähmaschinenrattern voneinander verabschieden mussten, hatten wir uns längst eine Wiederholung geschworen und nun war es soweit:

Elli hatte uns zu sich in ihre wunderschöne Heimat Speyer eingeladen. 


Für mich bedeutete das eine Reise quer durch Deutschland und dank Sommer-Ticket die erste große Fahrt mit dem ICE. Da Maira an diesem Freitag noch Schule und ich Uni hatte, war es schon recht spät, als wir Abends bei Elli eintrudelten. Laura hatte in Heidelberg auch noch ihren Anschlusszug verpasst. Als wir dann endlich bei selbst belegter Pizza (das scheint ein Ritual am ersten Abend zu werden ;-)) zusammen saßen musste ich abermals in mich hineingrinsen. Unser gesamtes Tischgespräch drehte sich schlagartig wieder um Schnittmuster, Stoffläden, Nähprojekte, wirklich nützliches Nähzubehör und den neuesten Tratsch von Instagram. Es war so vertraut als wäre unserer erstes Treffen gerade gestern gewesen. 


Obwohl wir alle eigentlich hundemüde von der Anreise waren hatten wir an diesem Abend noch etwas vor. Wir hatten uns in diesem Jahr darauf geeinigt gemeinschaftlich Rucksäcke zu nähen. Dies hatte gegenüber einem Kleidungsstück wie im letzten Jahr den großen Vorteil, dass wir nur die normale Nähmaschine und nicht noch Overlock- und Covermaschine brauchten. Snaply Nähkram hatte uns dafür einiges an Material zur Verfügung gestellt, dass Maira verteilen durfte. DANKE dafür und dazu später mehr! Es folgte also erstmal eine kleine Bescherung. Dann ging es aber wirklich los. Denn den für uns alle perfekten Rucksack-Schnitt hatten wir im Vorfeld nicht finden können und so hatten wir beschlossen, uns diesen kurzerhand vor Ort selbst zu erstellen. So verwandelten wir Ellis Zuhause schnell in ein Schlachtfeld aus Schnittmusterpapier und Zeichenmaterial...

Nach einem Frühstück mit leckeren Pancakes gab es natürlich einen wichtigen Punkt auf der Tagesordnung abzuhaken: Ein Stoffladenbesuch. Hier hatten wir nochmal die Möglichkeit fehlendes Zubehör für unsere Rucksäcke zu besorgen. 



Einer spontanen Eingebung folgend ("Moment mal, ist nicht auch das Kitchdeluxe-Lädchen in Speyer?!") fuhren wir anschließend noch in die Nordstadt, wo sich etwas versteckt das Kitchdeluxe-Lädchen befindet. Hier gibt es alles was das Herz begehrt und neben einer feinen Auswahl an Stoffen und Nähzubehör noch Geschirr der Firma Rice. Alles ganz liebevoll kitschig und mit einem Hang zum Firlefanz eingerichtet.



Nach einer Kaffeepause in einer hiesigen Bäckerei (die Nacht war kurz...) ging es zurück bei Elli direkt an unser Rucksack-Projekt. 

Gefühlte Kilometer Vlieseline wurde aufgebügelt bevor die ersten Maschinen losratterten. Als Laura und Maira am späten Abend beinahe ihre fertigen Rucksäcke vorzeigen konnten, fluchte ich noch über die aufgesetzte Tasche meines Vorderteils (Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?) und war noch weit davon entfernt, meine Stoffstücke auf dem Rücken tragen zu können. Elli konnte sich nicht so recht aufraffen bei tickender Nähzeit die vielen Einzelteile eines Rucksacks zuzuschneiden und entschied sich dann dazu ein paar Babysachen vorzubereiten und unser Nähtreffen fotografisch festzuhalten. 


Als um 23:30 Uhr auch meine Nähmaschine verstummen musste, haben wir natürlich längst noch nicht geschlafen. Matratzenlager ist so ziemlich die schönste Art woanders zu übernachten. Bis tief in die Nacht wurden noch tiefsinnige Fachgespräche geführt.

Mit einem ausgiebigen Frühstück im Magen hatten wir am Sonntag alle noch etwas zu tun. Ich wollte meinen Rucksack noch irgendwie fertig bekommen und die anderen Mädels hatten sich noch Outfits mitgebracht, die Elli fotografieren sollte. Wenn schon mal kameraerprobte Blogger beieinander sind... So konnte ich ganz in ruhe Fluchen und das sperrige Etwas unter der Maschine hindurch zerren.


Anschließend begann das große Packen... Abreisestimmung machte sich breit. Doch davon wollten wir uns die letzten Stunden nicht vermiesen lassen. Wir schnappten uns nochmal die Räder und fuhren ein letztes mal in die Stadt, die von Elli aus nur einen beneidenswerten Katzensprung entfernt ist. Ich habe mich wirklich selten so in eine mir zuvor fremde Stadt verliebt. Speyer ist wirklich absolut sehenswert und wäre unser Zeitplan nicht so immens straff gewesen, hätte ich hier gerne noch in die ein oder andere Gasse geschaut. 

Bei Kaffee, Eisshake und Kuchen im Café Aran ließen wir das Wochenende nochmal Revue passieren. Waren das tatsächlich schon drei Tage? Diesmal war die Zeit wirklich wie im Flug vergangen.



Dann hieß es wirklich Abschied nehmen, zumindest von unserer tollen Gastgeberin. Laura, Maira und ich mussten uns erst in Mannheim trennen. Es war wieder eine so wunderbare Zeit unter Gleichgesinnten, meinen Nähhühnern!


Wir sehen uns wieder. Spätestens in einem Jahr! Wo wir uns dann treffen? Da lasst euch überraschen ;-)

Liebe Grüße, Nadine