Donnerstag, 21. September 2017

Blusen-Nähliebe

Noch zwei einhalb Wochen, dann ist es wieder vorbei mit dem Lotta-Leben und dem sanften Start in den Tag. Ich habe diese vorlesungsfreie Zeit genossen wie noch nie und werde sie auskosten bis zur letzten Sekunde. Den Anfang machte eine große Aufräum-Aktion im Nähzimmer. 4 Tage hatte ich mich dort nahezu verbarrikadiert. Wo endlich wieder alles an seinem Platz ist und mein Zuschneidetisch dank riesiger Platte nun auch wirklich einer ist (Nie mehr Bodenarbeiterin!), bekam ich direkt wieder Lust mich dort auszutoben. 

Neben vielen kleinen Projekten konnte ich endlich auch ein großes Projekt von meiner Nähliste streichen: Eine Karo-Bluse wie die von Danie, in die ich mich unsterblich verliebt hatte!



Anfang Mai habe ich hier voller stolz meine erste, selbstgenähte, richtige Bluse gezeigt. Ja, so ein Projekt ist schon etwas anderes als der x-te Pulli den ich mir sonst mal Abends nähe, wenn ich verdrängt habe, rechtzeitig die Waschmaschine anzustellen...

Das fängt schon beim Zuschnitt an. Vorwaschen ist das oberste Gebot bei so einem Projekt! Ich wasche längst nicht alle Stoffe vor, aber tagelanges nähen, ein perfektes Ergebnis in den Händen halten und nach der ersten Wäsche nicht mehr tragen können ist so richtig blöd. Aus Fehlern lernt man.


Als Schnitt habe ich wieder die "Nameless Bluse" von Sewera verwendet. Der große Vorteil gegenüber der viel erwähnten Cheyenne Tunika ist der unkomplizierte Zuschnitt und die logisch aufgebaute Anleitung. Auch bei der Namelessbluse muss man den ein oder anderen Schritt vor der Ausführung langsam durchdenken, aber ich muss nicht ständig darüber nachdenken, wo ich mit welcher Nahtzugabe zuschneiden und nähen muss. Das schreckte mich nämlich von der Cheyenne Tunika ab, auch wenn die dank "Wiener nähten" von innen noch einen Tacken hübscher ist, als meine, die nur mit der Overlock versäubert und abgesteppt ist. 

Die Passform der Nameless Bluse ist toll, lediglich die Ärmellänge sollte unbedingt überprüft und ggf. angepasst werden. Mir wären ein ganzes Stück zu kurz gewesen. Für mich habe ich Größe 32/34 genäht. 

Das Nähen ging schon wesentlich schneller als bei meiner ersten Bluse. Ganz ohne Nahttrenner kam ich aber auch diesmal nicht aus. Man muss schon ganz genau und Schritt für Schritt nach der Anleitung nähen, trotzdem finde ich, dass sich jeder der gerade Nähte nähen kann in der Lage ist, so ein Projekt umzusetzen. Es erfordert Ausdauer und Präzision, aber es ist kein Hexenwerk. 


Mir hat das Entstehenlassen der Bluse jedenfalls wieder richtig Spaß gemacht und ich freue mich wahnsinnig über das tolle Ergebnis. Mit der kleinen Stick-Applikation ist sie obendrein noch Oktoberfest tauglich. Fürs Nähen eines Dirndls bin ich nämlich auch in diesem Jahr zu spät dran... aber irgendwann, irgendwann nähe ich mir auch ein richtiges Dirndl!

Liebe Grüße, Nadine


Kurz gesagt:
  • Die Bluse ist genäht nach Schnitt und Ebook "Nameless Bluse" von Sewera
  • Die Stick-Applikation ist aus der "Alpenschick"-Stickserie von tinimi
  • Stoffe und Zubehör habe ich allesamt vor Ort gekauft
  • Baumwollstoffe vor dem Vernähen zu Hemd und Bluse UNBEDINGT vorwaschen!
  • (Verlinkt bei RUMS)

Donnerstag, 14. September 2017

Ein Familien-Taufkleid


Am Sonntag wurde die kleine Feldmaus getauft. In dem wunderschönen Leinen-Taufkleid, in dem auch schon ihre große Schwester vor knapp 2,5 Jahren getauft wurde und das ich der Familie damals genäht habe. 

Eigentlich gibt es in unserer Gemeinde ein Taufkleid, dass für die Taufen genutzt wird. So braucht nicht jede Familie ein Taufkleid anschaffen, welches im Gottesdienst doch nur kurz aufgelegt wird. Natürlich sinnvoll, aber ich wollte doch unbedingt ein Taufkleid nähen... 


Als ich noch zur Schule ging besuchten wir das Kloster Dahlheim in dessen Museum ein wertvolles Leinen-Taufkleid hing. Dieses war übersät mit den eingestickten Namen und Daten der Täuflinge, die dieses Kleid getragen haben. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, warum wir eigentlich dort waren, aber dieses Kleid habe ich immer noch vor Augen.

Die Taufe der großen Feldmaus rückte damals näher und ich fragte nochmals, ob ich wirklich kein Taufkleid nähen soll und da fand auch unsere Graurosamama, dass es vielleicht doch ganz schön wäre ein Kleid in der Familie zu haben - Na also!
Zum Glück waren wir uns ziemlich einig, wie das Kleid werden sollte. 
In der Ottobre 1/2014 fanden wir einen Schnitt der uns beiden zusagte. Ein klassisches Leinenkleid mit Biesen und Bubi-Kragen sollte es werden. 



Dass Ottobre-isch oft schwer zu verstehen ist wusste ich ja, aber beim Nähen der Biesen war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich jetzt an mir oder an den schwedischen Schnitterstellern zweifeln sollte...
Letztlich habe ich zig mal am Schnitt nachgemessen, dann nur noch das Prinzip übernommen und unserem Kleid die Biesen verpasst. Als Eyecatcher bekam das Kleid einen Lochsaum, durch den Schleifenband gezogen werden kann. 

Da die Kleider bei uns auch nur übergelegt werden, kann unser Kleid hinten über die gesamte Länge geknöpft werden. So wurde es in den Gottesdiensten zumindest halb angezogen und dann für die anschließenden Familienfotos mit Täufling einfach geschlossen. 


Ich finde es total schön wenn ich unseren Nachbarsfamilien solche Dinge nähen, und sie auch fotografisch immer wieder begleiten darf. Irgendwann werden sich die große und die kleine Feldmaus Fotos ihrer Kindheit anschauen, die ich eingefangen habe und sich in Kleidungsstücken sehen, die ich für sie angefertigt habe. Wenn sie dann einmal selbst Kinder haben, werden sie diese vielleicht sogar in dem Kleid taufen lassen, dass ich zu ihrer Taufe genäht habe. So haben wir uns das jedenfalls überlegt, die Graurosamama und ich. 

Jedes Kind, das mit diesem Kleid getauft wurde soll, wie das Kleid im Museum, mit einer Stickerei im Kleid verewigt werden und dies damit zu einem richtigen Familienschatz werden. Mit der Taufe der kleinen Feldmaus finden sich nun schon zwei Stickereien auf dem Kleid und ich hoffe, es kommen noch einige hinzu.

Liebe Grüße, Nadine


Kurz gesagt:



  • Der Schnitt zum Taufkleid ist aus der Ottobre 1/2014.
  • Das Zuschneiden und Nähen der Biesen war typisch ottobre-isch schlecht erklärt.

Donnerstag, 7. September 2017

Häkel-Esel Kasimir


Ich habe es ja gesagt, einmal dem Häkeltier-Wahn verfallen, kann man nicht mehr aufhören kleine Wesen zu erschaffen und so erblickte auch Kasimir das Licht der Welt. 

Kasimir ist nach der kostenlosen Anleitung von Hobby uncinetto gehäkelt, die Vanni Vanilla ins deutsche übersetzt hat. Der kleine Esel war schon etwas aufwändiger, als das Amigurumi-Einhorn von neulich, aber auch in wenigen Stunden gehäkelt. Das schöne an diesen Tieren ist, dass sie fast ausschließlich mit festen Maschen gehäkelt werden und sich so nahezu blind häkeln lassen. 



Kasimir ist fast 20cm groß und war mein Travelbuddy bei meinem Trip nach München.
Davon werde ich noch berichten.

Liebe Grüße, Nadine


Kurz gesagt:

Montag, 4. September 2017

Symbolhaftes Taufgeschenk


Ich habe wohl jetzt das Alter erreicht, wo der überwiegende Freundeskreis aus Pärchen besteht. Nicht nur, dass nun Standart ist "+1"-Einladungen auszusprechen, einige Partner gehören inzwischen so sehr dazu, dass sie einfach in den Freundeskreis integriert wurden.

So ist das auch bei Marina und Tim, die ich unglaublich gerne habe. Deshalb habe ich beim "Ich nähe nur noch für uns" auch mal eine Ausnahme gemacht. Nicht zuletzt, weil die beiden immer die schönsten Geschenk-Ideen ausarbeiten... 



Tim ist gestern Patenonkel vom kleinen Jonas geworden und die beiden hatten ihre kreativen Hirnzellen mal wieder ordentlich in Gang gesetzt. Sie hatten sich überlegt, dass Jonas von seinem Patenonkel einen Gutschein für den ersten Schulranzen bekommen soll, symbolisiert durch einen Rucksack fürs Turnen oder Wechselzeug und der darin enthaltenen Erstausstattung fürs Frühstück außer Haus (Trinkflasche und Brotdose).

Den Turnbeutel Rucksack für dieses tolle symbolische Geschenk durfte ich dann nähen, im Wunsch der beiden mit einer Applikation von Jonas Lieblings-Pinguin drauf. 


Den Pinguin hätte ich eigentlich aus Flex-Folie plotten und aufbügeln wollen, jedoch fiel mir zu spät auf, dass ich dann nicht nur schwarze und weiße Folie bräuchte, sondern eben auch gelbe für Schnabel und Füße... Daher holte ich abermals und ganz klassisch das Vliesofix hervor und applizierte den ausgesuchten Pinguin kurzerhand. So wirkt er fast plastisch und ich glaube noch viel besser als das mit Flex-Folie der Fall gewesen wäre.

Das Geschenk war natürlich ein Knaller. Marina berichtete mir noch am Abend wie süß Jonas doch ausgesehen habe, als er mit seinen tapsigen ersten Schritten an den Händen aber mit Rucksack auf dem Rücken herum lief. Da habe ich mich gleich nochmal mit gefreut.

Liebe Grüße, Nadine


Kurz gesagt:
  • Der Turnbeutel ist 26x34cm groß und ich habe keinen Schnitt dafür.
  • Der Pinguin ist nicht geplottet, sondern klassisch appliziert.
  • Der Boden des Rucksacks ist aus Kunstleder.
  • Die Stoffe habe ich allesamt aus unserem Stoffladen vor Ort.

Montag, 28. August 2017

Amigurumi-Einhorn


Ich kann wahnsinnig schlecht nichts tun. Ganz ehrlich, ich bewundere sogar die Menschen, die es schaffen sich 90 Minuten voll auf einen TV-Film konzentrieren zu können ohne dabei noch etwas nebenher zu machen. Bei mir ist das oft die Zeit in der ich neue Blogposts schreibe, durch Pinterest stöbere oder eben mal wieder zur Häkelnadel greife.

Eine liebe Freundin von mir hatte vor einiger Zeit die Anleitung für ein gehäkeltes Einhorn entdeckt. Obwohl sie von diesem Einhorn-Trend eigentlich genauso wenig hält wie ich, fand sie dieses unglaublich niedlich und wünschte es sich von mir.


Nun würde ich sagen, dass ich inzwischen und nach zwei Sternenhäkeldecken ganz gut häkeln kann, bei diesem Projekt stellte ich jedoch fest, eher fürs gröbere. Himmel, hab ich mir beim häkeln des Einhorns fast die Finger gebrochen... Nur 9 cm groß ist das fertige Einhorn, gibt damit aber bestimmt einen tollen Glücksbringer für meine Freundin ab und irgendwie hat dieses kleine Wesen auch mein Herz erobert. Im Gegensatz zu so Großprojekten wie den Häkeldecken ist so ein kleines Tier aber auch an einem Abend umsetzbar und so hat man schnell was in der Hand. Es wird wohl nicht mein letztes Amigurumi gewesen sein.

Liebe Grüße, Nadine 


Kurz gesagt:
  • Die Anleitung findet ihr hier.

Donnerstag, 24. August 2017

So einen will ich auch: Julika als Zweiteiler


Wenn Frau Nachbarin ihren Julika-Overall aus dem letzten Post für den Urlaub haben wollte, wo wäre dann ein besserer Ort für Fotos? - Natürlich dort. Am Strand. Vor den Dünen!
"Du kommst uns dann einfach besuchen!", hatte Frau Nachbarin gesagt und ich weiß nicht wie ernst sie das in diesem Moment meinte, aber genau so habe ich es gemacht. 

So fuhr ich letzte Woche los. Ich hatte 5 Tage Zeit, ein vollgetanktes Auto und eine Playlist mit dem Titel "Unterwegs". Aus der Idee meine Nachbarn zu besuchen wurde mein erster Roadtrip. 


Frau Nachbarins Julika-Overall fand ich ja schon toll und irgendwie gefiel mir die Idee, dass wir beide eine Julika am Strand tragen könnten. Ich entschied mich wegen des doch nahenden Ende des Sommers aber gegen einen Overall und damit dafür, Julika als Zweiteiler zu nähen. Zumindest die Shorts würde ich dann noch so zum schlafen weiter tragen können und überhaupt lässt sie sich dann auch mal mit einem anderen Oberteil kombinieren. 

Schon lange lag der blaue Jersey mit dem sanften Birdy-Druck nach dem Design von hamburgerliebe zusammen mit dem dunkelblauen Uni-Jersey in meinem Regal. Für mich war immer klar, die beiden Stoffe zusammen zu vernähen. Warum kann ich gar nicht genau sagen. Vernäht als Julika-Zweiteiler haben sie nun endlich ihre rechte Bestimmung gefunden.



Vor der Jersey-Shorts hatte mich ein wenig gescheut. Nicht weil sie schwierig zu nähen sei, sondern eher weil ich befürchtete, dass sie mir durch die Falten doch zu luftig weit an den Beinen wäre. Aber alles war unbegründet. Sie gefiel mir schon bei der ersten Anprobe sehr. Ich habe sogar schon einige Varianten aus festen Stoffen gesehen. Das werde ich für den nächsten Sommer auch nochmal probieren.

Beim Oberteil habe ich nicht ganz mitgedacht. Da ich ein separates Shirt genäht habe, hätte ich auf den rückwärtigen Schlitz verzichten können. Dieser wird ja eigentlich nur benötigt um von oben in den Overall schlüpfen zu können. Auf die von mir im letzten Post angesprochene Knopfleiste war ich natürlich erst gekommen, nachdem mich auch an meinem Oberteil das aufklaffen des Schlitzes störte.

Was mir wirklich sehr gefällt ist, dass bei nach innen geschlagenem Bund des Oberteils gar nicht auffällt, dass es sich um einen Zweiteiler handelt. Das Oberteil fällt dann genauso locker wie bei Frau Nachbarins Overall. 


Und weil es so eine verrückt schöne Aktion war, darf ein Bild dieses wahnsinnigen Sonnenuntergangs nicht fehlen. Frau Nachbarin und ich saßen mit unseren Juliakas Barfuß im Sand und tranken mangels Bechern Sangria aus Limo-Dosen während die Sonne ganz allmählich ins Meer tauchte...  Wenn ich so daran zurückdenke bekomme ich gleich wieder Fernweh aber das schöne ist, nach der Heimkehr ist vor der nächsten Reise.

Liebe Grüße, Nadine 


Kurz gefasst:

  • Der Schnitt Julika von Prülla bietet die Möglichkeit einen Ein- oder Zweiteiler mit langer oder kurzer Hose zu nähen.
  • Julika ist (auch als Kinderschnitt) bei dawandamakerist, im Shop von Stoffbüro und auf englisch bei nähconnection erhältlich.
  • Wird das Oberteil als solches genäht, kann auf den rückwärtigen Schlitz eigentlich verzichtet werden.
  • Die Stoffe liegen schon lange in meinem Regal, der blaue Birdy-Stoff heißt "Fly Bird fly" und ist aus einer älteren Kollektion von hamburgerliebe und Hilco.
(Post verlinkt bei RUMS)